Schleswig-Holstein ist eines der vier Bundesländer, in denen Atomkraftwerke stehen. Als Bürgerinnen und Bürger sind wir daher ganz unmittelbar von der Energiepolitik des Bundes und des Landes betroffen. Deshalb haben wir eine besondere politische Verantwortung bezüglich der Einflussnahme auf energiepolitische Entscheidungen. Die Passivität der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung akzeptieren wir nicht.

Die Risiken, denen die Bevölkerung und die Umwelt durch den Betrieb von Atomkraftwerken und die Produktion von hochradioaktivem Atommüll ausgesetzt werden, sind mit den Lebensinteressen der Menschheit nicht zu vereinbaren. Es ist unverantwortlich, an Atomkraft festzuhalten, da es keine Technik für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle gibt. Eine sichere Lagerung des Atommülls über Zehntausende von Jahren ist unmöglich und bedeutet weiterhin eine Verschiebung des Problems auf kommende Generationen.
 
Die jüngste Reaktorkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat erneut deutlich gezeigt, dass die als Restrisiko bezeichnete Gefahr weder berechenbar noch beherrschbar ist. Mit weiteren schweren Unfällen muss jederzeit gerechnet werden. Seit Jahrzehnten sind die Risiken der Atomkraft bekannt. Selbst 25 Jahre nach dem Super-GAU von Tschernobyl leiden Menschen und Umwelt noch unter den Folgen.
Um in Zukunft solche Katastrophen zu vermeiden, ist ein sofortiger Ausstieg aus der Atomkraft unabdingbar.
 
Wir fordern daher von der Bundesregierung:
Ziehen Sie die notwendigen Konsequenzen!
Beschließen Sie den endgültigen und sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie!
Verankern Sie diese Entscheidung in einem Gesetz, um sie gegen wirtschaftliche Interessen der Energiekonzerne zu schützen!
Stoppen Sie den Export von Atomtechnologie!
 
Wir sind davon überzeugt, dass eine vollständige Stromversorgung durch erneuerbare Energien wie z.B. Wind-, Sonnen- und Wasserkraft möglich ist. Atomkraft ist hierzu keineswegs eine Brücke, sondern eine Blockade.
 
Wir fordern einen konsequenten Ausbau der Erneuerbaren Energien mit dem Ziel, den Strom in Deutschland zu 100% aus Erneuerbaren Energien zu erzeugen.
Außerdem fordern wir die Schaffung einer dezentralen Energieversorgung unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Der Schleswig-Holsteinische Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen hat erklärt, dass die Kraftwerke Krümmel und Brunsbüttel nicht wieder ans Netz gehen sollen. Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung. Eine Absichtserklärung alleine reicht jedoch nicht aus.

Wir fordern daher von der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung:
Schließen Sie sich der Klage gegen die Laufzeitverlängerung an!
Leiten Sie auch das Abschalten des Kraftwerks Brokdorf in die Wege!
Entziehen Sie als zuständige Atomaufsicht die Betriebsgenehmigungen für die Kraftwerke Krümmel und Brunsbüttel mit sofortiger Wirkung!
Sorgen Sie für eine endgültige Stilllegung aller drei Kraftwerke!
 
Als Unterzeichnerinnen und Unterzeichner setzen wir uns für eine Energieversorgung ohne Atomkraft ein. Uns ist bewusst, dass dies aus europäischer und globaler Perspetkive nicht ausreicht, solange es Staaten gibt, die weiterhin auf Atomkraft setzen. Globale Veränderungen erfordern lokales Handeln; wir beginnen hier vor Ort. JedeR Einzelne kann durch den Wechsel zu einem Ökostromanbieter, Energiesparmaßnahmen im Haushalt und am Arbeitsplatz sowie der aktiven Teilnahme an den Protesten gegen Atomkraft einen Anfang machen.
Wir erklären uns solidarisch mit den Atomkraftgegnerinnen und -gegnern auf der ganzen Welt und setzen uns im Rahmen unserer Möglichkeiten auch für deren Belange ein.

 
Kiel, 26.04.2011

Die Kieler Erklärung gegen Atomkraft mit Unterschriftenliste als PDF

Ein PDF der Erklärung mit den Unterschriften der ErstunterzeichnerInnen gibt es hier.